Samstag, 11. August 2007 - Hochzeit, Projekte, Wirtschaftsgespräche

Um 8.45 Uhr treffen wir uns zum Frühstück.

Vorher das Ritual "Händewaschen", bevor wir ins Haus gehen.

Eigentlich ist am Morgen ein Referent für Wirtschaftsfragen eingeladen. Doch wir erfahren, dass dieser wegen einer Verletzung am Fuß - somit gehunfähig - nicht kommen kann.

Deswegen entscheiden wir uns für einen Dorfgang mit Internetbesuch, kaufen im Postamt Briefmarken und wohl die letzten Postkarten, die wir auftreiben konnten und gehen Stoff kaufen. Dort lassen wir uns gleich ein maßgeschneidertes Kleid, die Männer ein Hemd für jeden, nähen.

Mein Stoff kostet 5000.—Schilling (= 3 Euro) ich lasse mir damit für 7000.—Schilling (= 4,20 Euro) ein Kleid nähen. Ich bekomme das fertiggenähte 2-tlg. Kleid um 18 Uhr. Immer sind wir in Begleitung und können auch mal verschlungene Wege zwischen Bananenstauden und Hütten zurück zum Gästehaus gehen.

Wir kommen am Gästehaus an und erfahren, dass wir bei Mercedes Kyomo zum Mittagessen eingeladen sind. Sie besuchte Ulm 2005.

Sie begrüßt uns mit den Worten:

"Dass ihr hier bei mir seid ist nicht mein Wille, sondern Gottes Wille." Sie bedankt sich für die mitgebrachten Geschenke aus Deutschland und sagt, dass sie, wenn sie könnte, gerne Geschenke mitgeben würde. Sie habe sehr viele Erinnerungen an den Besuch in Ulm.

Mich beeindruckt die Freundlichkeit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft bei allen, die uns als Gruppe zum Essen in ihr Haus, in ihr kleines Wohnzimmer einladen und für uns ein Festessen bereiten. Sie suchen die Nähe der Gäste und wollen uns etwas Gutes tun. Ich spüre die Wärme, die Freundschaft. Obwohl ich Fremde bin, bin ich nicht fremd.

Das Segensgebet vor dem Essen und der Segen für einen guten Aufenthalt unserer Reise begleiten uns, als wir Frau Kyomos Haus verlassen und sie uns bis an den Straßenrand begleitet.

Wir wissen, dass wir nun schleunigst zur Kirche müssen, denn da wurden wir zu einer charismatischen Trauung eingeladen.

 

Um 14 Uhr soll sie beginnen. Wir sind pünktlich um 13. 45 Uhr dort, sehen wie die Braut in einen Nebenraum geführt wird.

Wir gehen in die Kirche. Die Gemeinde sitzt und singt und tanzt. Die Lautstärker sind auf Höchststufe eingestellt. Die Band brüllt, es ist nicht schön.

Dann zieht das Brautpaar mit Dekan und Pfarrer ein. Es entsteht ein Gebrüll, Pfeifen und Johlen.

Unaweza Yesu unaweza.... du kannst alles, Jesus, du kannst alles…

Mit diesem Lied wurde der Einzug vorbereitet. Während der ganzen Zeremonie wird mit Scheinwerfern, die uns in der 5. Reihe blenden und mit Video gearbeitet.

Dabei denke ich an unsere Kasualien, wo wir im KGR mit Pfarrer und Kantor entschieden haben, dass keine Fotos und Videoaufzeichnungen während der Handlungen sein dürfen. (Ablenkung und Unkonzentration)

Das Brautpaar sitzt mit versteinerten Minen da.

Zwischen Chorgesang, Gebet und Bibelworten tanzt die Kirche. Vor dem Altar, in den Reihen, an den Rändern der Bänke, überall ist Bewegung. Selbst wir lassen uns anstecken...

Allerdings hat der Dekan am Anfang des Gottesdienstes darum gebeten, die Lautverstärker etwas zurückzudrehen. Es wird ignoriert.

Jetzt weiß ich auch, wozu fast alle Kirchgänger, auch in normalen Gottesdiensten habe ich es erlebt, ein kleines Handtuch bei sich haben: sie kommen so wahnsinnig beim Tanzen und Singen ins Schwitzen, sodass sie sich den Schweiß abwischen müssen!!

Ich erlebe den Gottesdienst wie ein Volksfest. Winken, Pfeifen, Appell des Dekan von der Kanzel, Verhaltensregeln über Liebe und Vergebung. Dazwischen Geräusche von Trommeln und Pfeifen. Die Braut sitzt sehr scheu da.

Dann ein Gebet des Pfarrers, untermalende Musik im Hintergrund, der Schleier der Braut wird halb gelüftet. Dann sagt sie endlich „Ja“ und der Schleier wird ganz gelüftet. Gejohle bei der Handreichung der Brautleute. Während des Ringwechsels geht die Braut in die Knie. Totale Unterwürfigkeit ...kommt mir in den Sinn...

Das Paar kommt zur Unterschrift auf das Podest, während die Gemeinde bei lauter Musik singt und tanzt.

Opfergang – Vater Unser – Amen. Dekan und Pfarrer gratulieren.

Der Vater des Bräutigams sagt: ich habe ein Kind verloren, aber ich habe ein neues dazubekommen.

Die Mutter der Braut sagt zu ihrer Tochter gewandt: nun freue dich und lache. Gib deiner Freude Ausdruck.

Eckhart wird gebeten auch einige Worte an das Brautpaar zu richten. Wie in Deutschland fahren die Vermählten mit Brautjungfern und Verwandtschaft von der Kirche. Auf offenem Kleinlaster steht eine Jazzmusikband. Einige Gäste haben zur Feier des Tages ihre Fahrräder geschmückt. Am Rand stehen Schaulustige, Kinder.

Öffentliche Zärtlichkeiten werden nicht ausgetauscht. Kein Kuss, kein Händchenhalten, keine Umarmungen in der Öffentlichkeit.

 

Sam Mwandemele hat sich für einen kleinen Vortrag über Wirtschaft in Tansania vorbereitet.

Wirtschaft ist die Wissenschaft über Geld. In Tansania ist der jährliche Umsatz p.P. 350.- Pfund. Das sind täglich 95 Cent, weniger als ein Dollar. Überlegungen ob dieses Geld für Anschaffungen im Haus, Möbel, Hausbau oder vielleicht doch keinen Tee zum Mittag ausgegeben werden.

Die Reichen (D) kommen aus entwickelten Ländern, dort ist der Umsatz p.P. 1.600 Pfund.

 

Das Nähprojekt und Handarbeiten/Flechtarbeiten werden gezeigt.

Nimrod Kiporoza als Jugendvorsitzender berichtet über die Jugendarbeit.

Er sagt: Jeder von uns ist ein Teil der Privatwirtschaft 

Arbeitsaufteilung: 20 Leute werden ausgebildet, lernen und können ihre Arbeit im Projekt weiter fortsetzen.

 

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5 Mattenflechter

3 Tischtuchnäher

4 Schreiner

2 Experten im Hausbau

5 für Kleinhandel (Verkauf auf dem Markt)

7 Angestellte mit Vertrag

Der Rest der Jugendlichen geht zur Schule und wohnt bei den Eltern. Sie sind ohne Vertrag.

Das Ziel der Jugendarbeit ist es, das Haus für die Näherinnen und andere Projekte fertig zu stellen..

Im Haus soll auch ein Büro für Zusammenfassungen wie Kopiegerät, Computer, Lernen, ect. untergebracht werden, sowie ein Aufnahmestudio für Lieder- MC, CD,

  1. Ziel ist, das Evangelium weiterzugeben
  2.  Verkauf der Musikträger

Mit Gottes Hilfe, so meint Nimrod, werden wir es schaffen.

Ein Hindernis ist, dass kein Kapital zur Verwirklichung da ist und der Mangel an Geräten zum Umsetzen.

Die Arbeit geht nur Schritt für Schritt und langsam voran.

Neben der Arbeit ist es die Pflicht der Kirche, die Armen zu unterstützen.

Die Jugendgruppe hat einen Plan: Sie wollen ins angrenzende Malawi fahren, um sich in Jugendfragen auszutauschen und die Begegnung soll zur Bereicherung ihres Lebens beitragen. Malawi ist Entwicklungsland und schwer verschuldet.

 

Das Nähprojekt besitzt 5 Nähmaschinen, davon sind 4 funktionstüchtig, 1 davon ist kaputt.

1988 wurden von Ulm 2 Nähmaschinen zur Projektgründung gekauft.

Gute Schneider können von ihrer Arbeit leben.

Es gibt keine Möglichkeit der Schneiderlehre/Ausblidung. Es funktioniert so, dass die jungen Leute das Handwerk von den Älteren gezeigt bekommen, einer zeigt es/lernt es dem anderen.

 

Frauen flechten und nähen Matten.

Für eine vollständige Matte benötigen Frauen bis zu einem Monat, dafür bekommen sie für den Verkauf von einer Matte ca. 20.000 TS (= 12 Euro) . Sie verkaufen ihr Obst und Gemüse auf dem Markt und flechten nebenher, sonst könnten sie nicht überleben.

Nach dem Anschauungsnachmittag, es ist schon spät geworden, nimmt uns die Jugendgruppe mit zum Haus neben dem Gästehaus, das noch nicht fertiggestellt ist. Die Mauern stehen, es fehlt noch das Dach. Der Dachstock, also das Dachgerüst aus Holz liegt neben der Kirche und wird nun in gemeinsamer Arbeit auf die Mauern gezimmert. Unsere Jungs aus Deutschland packen mit an. Es wird gearbeitet bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Beim Abstützen der Mittelkonstruktionen – alles ohne Sicherung – wird Pardon, einer der Jugendlichen, verletzt. Er rutscht ab und kann sich gerade noch festhalten. Sie tragen weder Helm, noch Arbeitsschutzkleidung, noch feste Schuhe. In Flip-Flops stehen sie auf den Mauern und balancieren die vorgefertigten Holzbalken in die richtige Position. Richtfest können wir nicht feiern. Aber mit unserer Hilfe ist das Jugendhaus im Bau einen Schritt weiter gekommen.

Wir gehen rüber ins Haus, wo Isabella als Chefköchin mit den Mädchen unser Abendessen bereitet. Hier werden alle Mahlzeiten und auch warmes Wasser zum Duschen vorbereitet. Dann wird es ins Gästehaus rübergetragen.

Isabella sagt: Es ist viel Arbeit, aber auch viel Segen. Sie bekommt von uns den Namen Malaika, unser guter Engel.

Wir erfahren, dass sie von 6 Uhr bis 20 Uhr nur für unser Wohl arbeitet.

Vor dem Küchenhaus liegt ein Bündel Holz und Kohlen. 1 Bund Holz, das sind 6 Stangen von ca 1m Länge kosten 300 Schillinge = 18 Cent.

Sie kann ein paar Worte deutsch sprechen, weil sie auch schon mit einer Gruppe in Ulm war.

Anschließend ist Abendessen.

In meinem Zimmer kommt die Gruppe zusammen und wir reden über den vergangenen Tag und die Ereignisse.

Besprechung der beiden Gottesdienste, die wir am morgigen Sonntag mitgestalten sollen.

 

                                                                                                                                  Birgit Frick