Montag, 27.August: Heimreise-Tag

Morgens noch der wunderschöne Sonnenaufgang, die vielen Fischer, die zu ihren Netzen hinausfahren oder die individuell ihre Fänge machen. Auch hier wieder der Versuch, die Rollen zu durchbrechen: Hier der durch Warnschilder und Wächter geschützte Tourist, dort die fremden Afrikaner im Alltagsgeschäft. Kurzes Gespräch mit einem Fischer, der seine Nachtschicht beendet hat und einige Tintenfische im Boot hat und dessen leiblicher Bruder, der  nun in seinem Boot zur Tagschicht rausfährt. Verkauf der Fische auf dem Kunduchi -Dorf Markt.

 

Gepackt, Abschied

 

Ein letztes Gespräch mit dem Fahrer: "Große Kritik an der CCM. Sie habe alles in der Hand, nicht nur die Daladalas. Seit Kikwete gibt es große Preissteigerungen, z.B. beim Sprit, bei Grundnahrungsmitteln. Arme werden immer ärmer. Kikwete wird von Leuten noch beraten, die schon beim vorletzten Präsidenten Mwinyi waren. Die Leute sind so unzufrieden, haben aber letztlich keine Zukunft, können also mit ihrer Unzufriedenheit nichts machen. Es ist nicht abzusehen, dass die CCM irgendwann wegen der hohen % - Zahlen bei Wahlen abgelöst wird. Er hat einen Neffen gebeten, der zur Zeit in Schweden studiert, er möge auf keinen Fall zurückkommen, sondern dort bleiben. Die Leute leben zwischen Hass und Resignation. Er fürchtet Zusände wie in Ruanda. Am liebsten würde er bei einem solchen Kampf mitmachen. Er selbst wohnt in Morogoro. Seine Frau und 2 Kinder wohnen dort und betreiben Landwirtschaft. Jedes Wochenende versucht er heim zu kommen. Wenn er könnte, würde er sofort ganz nach Hause, aber das Geld ohne die Taxifahrten reicht nicht aus.

 

Das Hotel Kunduchi war in staatlicher Hand und wurde dann an einen Inder verkauft. Der Mitmanager ist Afrikaner.

 

Tansania habe viele Bodenschätze, aber hat keinen ausreichenden Export dadurch. Die Bodenschätze werden nach Kenia oder Malawi transportiert, dort wird dann das Export -Geschäft gemacht, warum? Öl wird durch Tansania transportiert, nach Südafrika. Dort ist es viel billiger als hier, warum? Wenn jedoch Kritik geübt wird, dann muss man um seinen Arbeitsplatz, sogar um sein Leben fürchten. Deshalb wird geschwiegen.

 

Eigentlich gibt es viele kompetente junge Leute., die im Ausland studiert haben. Sie kommen nur nicht dran. Einer der früheren Präsidenten von Sansibar war 22 Jahre, als er gewählt wurde. Und er hat seine Sache gut gemacht.

 

Präsident Mwinyi hatte ein großes Haus, zu zweit, warum? Und als Rentner ist er jetzt in irgendwelchen Geschäften eingestiegen.

Hinweis auf die Straßen: Von Italienern gebaut, aber wer sorgt für die Reparaturen (Bitterkeit), die Straßen gehen von den Rändern her kaputt.

 

Er bekommt vom Kunduchi kein gutes Auto, um die Touristen zu fahren, keine Klimaanlage, Staub im Auto, was macht das für einen Eindruck  auf uns, die Touristen? (Er weist auf ein Auto irgendeiner Organisation, das neben uns steht, guter Zustand, klimatisiert.)

 

In den Dörfern ist die CCM überall präsent. Die Dörfler, also die Mehrheit der Bevölkerung, sind dumm. Sie sehen keine Alternativen. Sie haben Angst ohne die große CCM - und doch können sie nur für heute und morgen denken und merken dabei nicht, wie die Großen ihr Leben verplanen.

Soweit unser Fahrer  auf dem Weg zum Flughafen.

 

Eckhart Hauff