Sonntag, 26.August: Kunduchi - Hotel-Impressionen

Am Frühstück Gruppen-Gespräch über 4 Themen:

1. Adoption eins Kindes aus einem anderen Kontext (weißes schweigendes Paar und schwarzes Kind am Nebentisch). Frage nach Erbe, Wurzeln, Erziehung, Kontext.

2. Kirche: Man sollte bei ehrenamtlichen MitarbeiterInnen nicht immer noch einmal draufpacken, sondern nein ist nein.... Schwierigkeiten in den Gemeinden KGR-Kandidaten für den 11.11.07 zu finden.

3. Die Atmosphäre in jeglicher Zusammenarbeit in der Kirche v.a. fördert oder behindert individuelles Engagement. Es muss gerade in der Kirche auch "nutzloses" Zusammensein geben, Tagesaugenblicke von Gemeinschaft müssen erlebt werden dürfen, wenn es sich ergibt. "Sola gratia" - gerecht aus Gnade und Glauben, das reformatorische Erbe geschieht gerade auch in menschlicher - zweckloser Begegnung (s. Römer 3, 21ff)

 

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4. Gerade kirchliche Löhne sollen ernähren können. In der Tarifgestaltung sollte die Kirche den MitarbeiterInnen gerecht werden. Beispiele von Ungerechtigkeit werden genannt. Fangen wir zuhause an, Gerechtigkeit zu schaffen, dann werden wir mehr sensibilisiert für die Ungerechtigkeit in der Welt, und wir werden befähigt, unseren Teil zu gerechten Prozessen auch weltweit beizutragen.

 

Sonnen - Bade - Ruhe -Geburts - Tag im Kunduchi-Hotel.

 

Gespräch mit "Beach-Boy", so sagen die Touristen zu ihm, so ist die Arbeitsplatzbeschrei-bung, für den dreifachen Vater.

Viele Jugendliche kommen in die Stadt, sie reißen zuhause als blinde Passagiere aus ländlichen Gebieten aus, ohne jegliche Papiere. Hier in der Großstadt versuchen sie, Arbeit zu finden. Wenn es ihnen nicht gelingt, sind sie gefährdet im doppelten Sinne. Einmal versuchen sie es über Diebstahl. Wenn man sie erwischt, dann herrscht zum anderen Lynchjustiz (Es folgten hier Beschreibungen...wie unser Herr Jesus...). Da sie ja schwarz, ohne jegliche Papiere hergekommen sind, verschwinden sie einfach auf diese Weise von der Erdoberfläche. Der junge gegenwärtige Präsident Kikwete bemüht sich sehr, die Bildung in der Stadt und auf dem Land zu verbessern, damit die Landflucht der Jugendlichen aufge-halten wird. Bildungsverbesserung in allen Bereichen wird angestrebt. Doch wie geht es dann weiter? Versuche sind da, die entsprechenden Berufe, die einem Spaß machen, zu lernen: Form 4 ist die Voraussetzung zu einen Chuo/College; Form 6 führt zum Chuo kikuu/Universität.

Gesprächs - Thema "Familiensinn" - Ujamaa: Die großen Familien gehören nur noch theoretisch zusammen. Im Notfall helfen sich aber nur die Kernfamilien, Trend zur Individualisierung ist stark; Eindruck in Dar, wie kommen bloß die Heimkehrenden in ein Dalala am Feierabend  nach der Arbeit? Jeder kämpft mit jedem. Wir hatten keine Chancen und mussten auf ein Taxi ausweichen.

 

Gespräch mit Mr. Mtangi, Wächter:

1. Regierung hilft denen, die selber keine Möglichkeiten haben, die Kinder in die Sekundar-Schule zu schicken, z.B. seinen eigenen Sohn

2. Er selbst nimmt einen Teil des Geldes, um zusätzliche Englisch-Stunden seinem Sohn zu ermöglichen, außerhalb der Schule.

3. Reiche lassen ihre Kinder im Ausland studieren; Arme haben sich an die Lage gewöhnt. Die einen planen über Tage hinweg ihr Leben, die anderen planen für heute und den nächsten Tag. Wenn man mehr Geld hätte, dann könnte auch ein Konto aufgemacht werden, auf das man ab und zu einzahlen könnte.

4. Staatliche Organisationen vom Ausland unterstützen meist nur die, die schon viel haben. Die Kirchen sollten andere Schwerpunkte setzen.

5. Nyerere hatte einen Verstand, der nicht weit genug reichte. Warum hat er nur so schmale Straßen und Wege bauen lassen? Wenn man den heutigen Verkehr sieht? Nur Erdwege von Dorf zu Dorf! Warum hat er nicht das Englisch mehr forciert. Heute muss man überall Englisch sprechen, um international dabei zu sein. Er hätte die Zukunft besser voraussehen müssen.  (Wie historisch jedoch sind diese Argumente im Blick auf eine eigene Identität nach der englischen Kolonialzeit?)

 

Gespräch mit Adam Isa Mkwepo, Auszubildender im Hotelbereich, Muslim, 18.15 Uhr:

3 Monate Ausbildungszeit in Hotelbranche, jetzt in Praxisphase im Kunduchi. Danach muss er sehen, wo er sich hier an der Küste bewirbt. Er hat keine Zeit, seine Gebete zu verrichten, wegen der Arbeit. Er braucht TSH 1000.- täglich, um zur Arbeit und wieder heim zu kommen, 2 mal Daladala, je TSH 250.-  für einfache Fahrt.

 

Gespräch mit jungem Chinesen: Er ist zwei Jahre hier, im Rahmen eines Arbeitsvertrages. Großes Interesse an Deutschland, politische und wirtschaftliche Aspekte. Ich verweise auf das Mehrparteien-System bei uns. Ich frage nach Umweltpolitik in China. Er spricht von großer Armut auf dem Land und von der rasanten industr. Entwicklung in städtischen Bereichen.

 

Mittags am Strand Bescherung für Roman, 20 Geburtstag. Nach langer Suche sind wir fündig geworden, ein Hosenträger ist das Geschenk. Mit Geburtstagslied am Strand vor dem Liegebett übergeben wir ihm den Hosenhalt. Er scheint halb erfreut zu sein. Abends die Bescherung vom Hotel aus, 1 Kuchen für das Geburtstagskind.

 

Roman und Reinhild sind wie neu geboren nach der Massage.

 

Immer wieder bin ich mit den verschiedenen Mitarbeitern im Gespräch: Wächtern, Kellnern. Informationen auch an sie über unser "Projekt" Partnerschaft - Begegnung Ulm - Tukuyu. Sie interessieren sich sehr dafür. Es wird keinerlei Bitte von ihrer Seite ausgesprochen um finanzielle Unterstützung. Nur der Name wird notiert und die handy-Nummer gegeben.

 

Beim Abend-Essen werden die Notiz-Blätter des Tagebuchs an die VerfasserInnen verteilt, um die Endredaktion  möglichst bald abzuschließen.

 

Abends Abschiedslieder aus den uns immer begleitenden Liederheften am Strand mit unseren liturgischen 6 Kerzen, große dichte Verbundenheit der Gruppe. So klar haben wir noch nie gesungen: Dona nobis pacem, Kyrie eleison, Yesu aliniita njoo, Nehmt Abschied Brüder ungewiss....

 

Eckhart Hauff