Samstag, 18.August: "Krankenhaus, Ikombe-Wanderung, Pfarrer Mwandali"

In der Nacht war es draußen ziemlich stürmisch. Die Wellen des Nyassasees schlugen mächtig laut an den Strand und wir drei Frauen waren froh um den Wetter-  und Windschutz an dem See zugewandten Fenster.

Die kleinen Häuschen, in denen wir untergebracht sind -

wir 3 Frauen im Vierbettbungalow

Eckhart und Pied ,Roman und Volker jeweils in einem,

sind freundlich eingerichtet und tragen die Handschrift  der deutschen Schwester Verena aus Berlin, die wir gleich am ersten Tag kennen gelernt haben.

Sie hat schon vor 30 Jahren im nebenstehenden Krankenhaus als Schwester und bei Notstand der Ärzte sogar als „Ärztin“ gearbeitet. Sie kommt immer wieder hierher und ist Ansprechpartnerin für das Personal und erledigt Dinge in der Verwaltung.

Wir gehen um 8 Uhr zum Frühstück und sitzen dort, weil es so dunkel ist, bei Parafinlampenschein.

Strom gibt es nur von 19 – 21 Uhr und heute morgen nicht einmal Wasser für Klo und Dusche.

Vor dem Frühstück beten wir Psalm 23.

Kurz darauf, etwas verspätet kommt Pfarrer Mwakifuna aus Tukuyu, Er  begleitet uns in der Zeit am Nyassasee. Wir erhalten von ihm die Nachricht, dass Sam´s ältester Sohn mit 31 Jahren  seiner Krankheit erlegen ist.

Diese Nachricht macht uns traurig und still.

Gerade vorher haben wir noch Psalm 23 gebetet:

"...und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir..."

Wir denken ganz fest an Sam und Ellen und deren Schwiegertochter mit Kind.

Nochmals kurz zurück zum Frühstück: es ist total anders zusammengestellt als in Tukuyu! Wir freuen uns über Hefebuchteln, Marmelade, Rührei.

Um 10 Uhr dann geht’s auf zu einer Wanderung nach Ikombe-Dorf.

Zunächst laufen wir über den Töpfermarkt, der dem Dorf vorgelagert ist. Es ist fast kein Durchkommen. Eng an eng laufen wir im Gänsemarsch durch die Menschenmassen, viele Leute, die ihre Waren anpreisen.

Wir begegnen vielen Menschen und wandern aus dem Gedränge nur kurz am See entlang, denn dann geht es auf engen Pfaden hinauf in die Berge. Frauen mit Holz, Früchten und sonstigen Lasten überholen uns, etliche kommen uns entgegen. Keiner von uns hat die Wanderschuhe an, die wir dringend benötigt hätten, denn teilweise ist der Boden nass und glitschig. Wie die Einheimischen das in Flip-Flops oder gar barfuss schaffen, weiß ich wirklich nicht.
Wir erleben auf dem Höhenweg, der sich ziemlich hoch in die Berge zieht und teilweise am Rand ganz schön steil abfällt, ohne Sicherung, herrliche Ausblicke auf den See. Verlassene Fischerdörfer, Einbaumboote, manchmal Lehmhütten und Kinder, die so der Natur angepasst angezogen sind, dass man sie fast nicht erkennen kann, nur weil sie uns zuwinken und rufen werden wir auf sie aufmerksam.

In Ikombe-Dorf werden wir von unzähligen Kindern begleitet. Alle wollen die „weiße“ Hand der ankommenden Gäste ergreifen und so lange als möglich halten. Die Prozession erinnerte an den Rattenfänger von Hameln. Wir kommen am Ziel unserer Wanderung an, am Haus von Pfarrer Mwandali. Er war einmal Eckharts Schüler.

Wir werden gebeten, auf allen vorhandenen Sitzgelegenheiten Platz zu nehmen. Die Kinder sitzen dichtgedrängt bei uns. Ich zähle mal oberflächlich durch und komme auf 60 Kinder.

Einer der Söhne des Pfarrers erzählt seine Leidensgeschichte:

Er sei nun in der 11.Klasse der Secondary School und könne wegen Geldmangels die Schule nicht beenden. Bis jetzt wurde er mit Geldern aus Amerika unterstützt. Im Februar 2008 könnte er das Abitur machen, allerdings bräuchte er dazu 300.000 TS  Die kann er und sein Vater nicht aufbringen und somit sitze er tatenlos zuhause herum.

Frage, ob er nicht arbeiten wolle verneint er, da er sowieso keinen Job bekommen würde.

Wir werden ins Haus, das eine Stroh/Lehmhütte, aufgeteilt in 2 Räume, ist, gebeten. Dort, im Dunkeln, packen wir die mitgebrachten Sachen aus. Das sind: Erdnüsse, Mandazis, Bananen, Pfannkuchen und Hühnchenteile und Wasser. Alles Sachen, die uns unsere Gastleute aus Tukuyu für die Reise mitgegeben hatten.

 

In der Hütte stehen Tisch, Couch und 2 Sessel. An der Wand hängen ein paar Bilder. Unsere Augen haben sich schnell an die Dunkelheit gewöhnt und eine Lampe erhellt das Ganze etwas. 

Herr Mwandali entschuldigt seine Frau. Sie ist krank und kann nicht dabei sein.

Wir beten und am Ende bedankt sich Pfarrer Mwandali mit folgenden Worten bei Eckhart:

"Du hast mich die ganzen Jahre geachtet und warst 2 mal hier."

Dann erzählt er uns die Geschichte von den Fischern am See  Genezareth, die nichts gefangen hatten und Jesus sie noch einmal raus schickt.

Diese Geschichte wäre umgesetzt das Zeichen von tiefem Respekt, das Eckhart ihm entgegen bringe, wenn er immer zu ihm komme.

Er gibt Grüße an die Familie mit und er wäre wieder herzlich willkommen.

Weiter erinnert er noch mal an die Schwierigkeiten, die sein Sohn habe, um die Schule zu beenden.

„Aber Gott gibt uns, was wir brauchen“ Asante.

Er begleitet uns ein par Schritte und zeigt uns Gräber, bzw, das, was davon übrig geblieben ist, nämlich das Kreuz von 2 deutschen Missionaren. Einmal ein Mann, der der Erinnerung nach als Missionar hier am See mit seiner Frau angekommen war und 28 jährig im Jahre 1900 an Malaria verstarb. Auf angrenzendem Grabkreuz steht der Name einer jungen Frau, 23 jährig verstorben, auch Missionarin.

Wir verabschieden uns und gehen ein Stück weiter, wo wir den Wunsch äußern, dass uns das Handwerk der Töpferei erklärt wird.

Besagter Sohn zeigt uns, wie die Töpfe hergestellt werden.

Die Frauen holen den feuchten Lehm aus den Bergen und verarbeiten den mit Hand, ohne Töpferscheibe. Dann wird getrocknet und eine zweite, hellere Lehmschicht aufgetragen und im 3. Gang werden die Farbornamente gemalt. Das ist eine rötlichbraune Farbe. Anschließend wird gebrannt. Das Gefäß wird mit Stroh gefüllt und unter das Gefäß wird Holz gelegt, dann wird Holz und Stroh darauf geschichtet und solange verbrannt, bis keine Glut mehr vorhanden ist und nichts mehr raucht.

Auf dem Töpfermarkt kostet ein Teil 1000.--TS = 0,60 Euro

Wir machen uns auf den Weg zurück, wo uns hauptsächlich Frauen und Kinder mit schweren Lasten auf dem Kopf entgegen kommen.

Den Großteil unserer Gruppe treibt es heim. Wir sind nur noch zu zweit, (Birgit und Edelgard) von Pfarrer Mwakifuna und dem Busfahrer begleitet. Wir genießen die Aussicht, die Natur, Pflanzen, Luft und hören auf die Geräusche.

Zurück – wollen wir alle – trotz Wind endlich ins Wasser und es wird ein großer Spaß. Wir lassen uns von den riesigen Wellen tragen.

Eine kleine Begebenheit am Rande zum Schmunzeln:

Als Roman und Volker aus dem Wasser kommen suchen sie vergebens nach dem Hausschlüssel, den sie unter dem Badetuch, angeblich im Sand, nur 1 cm unter der Oberfläche versteckt hatten. Wir helfen beim Umgraben der angegebenen Stelle. Wir werden etwas unruhig. Doch endlich, Volker findet ihn glücklicherweise! Eines steht fest, nie wieder solch ein Versteck!!

In der Anlage haben Händler ihre Bilder und Körbe ausgestellt um sie zum Verkauf anzubieten. Wir kaufen kräftig ein.

Beim Abendessen sind wir im Speisesaal nicht allein. Am Nebentisch sitzen eine Gruppe weißer Leute.

Als die Gruppe den Raum verlässt, geht Eckhart auf eine der Frauen zu und erfährt, dass Sie Waltraud Herms aus Erfurt ist.

Sie hat das erste Wörterbuch  Kiswahili - Deutsch geschrieben und ist ständig dabei, es zu überarbeiten und die neuen Wörter aufzunehmen.

Beim Abendessen (Reis, Kartoffelbrei, Erbsen und Gulasch) erfahren wir, dass Sams Sohn am Montag beerdigt wird und er bei dem letzten Treffen mit dem Kirchengemeinderat und uns nicht dabei sein kann.

 

Die Gruppe trifft sich anschließend in dem „3 Mädelshaus“,  um noch bei elektrischem Licht folgende Themen zu besprechen:

1.      Verteilung des Geldes

2.      Punkte zum letzten Gespräch mit dem KGR am Montag

     Wie hat es uns gefallen, was für ein Ziel setzen wir für die nächste 

     Reisegruppe?

     Was für Erwartungen werden an die Partnerschaft gestellt?

Wir entscheiden uns für folgende Verteilung des Geldes von 1050.—Euro, das wir von VK Wiblingen, Söflingen, Dornstadt und einigen Leuten aus den Gemeinden zur freien Verfügung erhalten hatten.

    400.--Euro  Jugend

    200.--Euro   Akina Mama Frauengruppe

    300.--Euro   Waisen

      50.--Euro   Kinderkirche

      20.--Euro   Sam Trauerfeier

      80.--Euro   Einkauf von Medien für die Medienkiste

 

Das Licht geht um 21 Uhr aus und wir tagen noch mit Parafinlampe bis 21.30 Uhr.

Der Wind hat sich gelegt, die Luft ist lau. Wir hören die Wellen vom See und das Geheul der Hunde in der Anlage.

 

Birgit Frick