Edgar, der im Juni in Ulm und in Wiblingen war, hat mich vom Flughafen abgeholt. Anschließend machten wir eine kleine Runde, um einen ersten Eindruck vom Viertel zu bekommen.
Unser Weg führte uns an einen kleinen Stand mit Früchten vorbei: Frische Ananas, Mangos, die gerade reifen, und vieles mehr – der Reichtum der Natur schlägt sich in einer Vielfalt von Früchten nieder.
Beim Anflug auf Bogota konnte man die riesigen Rosenplantagen in der Hochebene sehen: Früher war hier die Kornkammer Bogotas, weil der Boden sehr fruchtbar ist. Großgrundbesitzer haben sich den Boden unter den Nagel gerissen und bauen nun Rosen fuer den Export – auch nach Deutschland an. Brot für die Welt hilft den betroffenen Kleinbauerfamilien, - die nun zu Plantagenarbeitern degradiert sind und zusehen müssen wie ihr Land ausgebeutet wird und mit Chemikalien verseucht wird – um für ihre Landrechte zu kämpfen und einen neuen Lebensunterhalt aufzubauen.
In den Gesprächen die ich mit Edgar, mit Samuel, mit Studierenden der Sozialen Fakultät und Domingo, dem Verantwortlichen für die Menschenrechtsarbeit des Gewerkschaftsverbandes am Dienstag, den 17. Juli führte wurde deutlich, wie zugespitzt die Lage in einem Land ist, dass vom Mammon besessen ist: die Gier nach immer mehr Geld. Land und Leute werden gnadenlos von den Reichen ausgebeutet und der Staat hat sich zum Handlanger dieser Leute gemacht. Das Bild von Edgar vor dem Sozialministerium ist sinnbildlich: die Regierung tut nichts für eine Verbesserung der sozialen Situation der einfachen Leute - das müssen Menschen wie Edgar und ihre Organisationen tun – in einem Land, wie, William, ein junger Mitarbeiter von Edgar sagte, wo “diejenigen, die etwas für die anderen tun, die sich für andere einsetzen immer mit einem Bein im Gefängnis oder gar im Grab sind.”
Von Samuel begleitet machte ich mich am Dienstag zu einem Gespräch in der Gewerkschaft der Elektriziätswerke auf. Wie in allen Ländern der Welt werden die öffentlichen Güter privatisiert, verbunden mit einem massiven Abbau der Arbeitsplätze und in Kolumbien mit einem Abbau der Arbeitsrechte und Menschenrechte. Das Foto zeigt Samuel vor dem Gebäude der Gewerkschaft - auch dieses gesichert und ohne jeden Hinweis darauf, wer in dem Gebaeude wohnt, bzw. sein Büro hat.
Das Gespräch am Nachmittag mit den Studierenden war sehr interessant: ich spürte wie die jungen Leute um die Zukunft ihres Landes besorgt sind und sich für ein anderes, ein besseres Kolumbien einsetzen: sie unterstützen vor allem indigene und Kleinbauerngemeinden auf dem Land. Dort werden die Menschen vertrieben, damit nach Gold gesucht werden kann, damit der steigende Hunger nach Erdöl befriedigt werden kann und die neueste Variante: damit der Urwald abgeholzt werden kann, um die sogenannte Afrikanische Palme anbauen zu können, um Biodiesel oder besser Agrodiesel zu erzeugen. Mit Bio hat das gar nichts zu tun: Wald wird abgeholzt, Chemikalien werden eingesetzt um die Monokulturen wachsen zu lassen und Kleinbauern, die sich dem Anbau widersetzen werden bedroht, vertrieben oder gleich umgebracht.